Elemente der Lebensgestaltung

In der persischen Mystik wird von einem Wanderer erzählt, der mühselig eine scheinbar endlos lange Straße entlang zog. Er war über und über mit Lasten behangen. Ächzend und stöhnend bewegte er sich Schritt für Schritt vorwärts, beklagte sein hartes Schicksal und die Müdigkeit, die ihn quälte. Auf seinem langen Weg begegnete ihm bei glühender Mittagshitze ein Bauer. Dieser fragte ihn: »Oh, müder Wanderer, warum belastest du dich mit diesen Steinbrocken?« »Zu dumm«, antwortete der Wanderer, »aber ich habe sie bisher noch nicht bemerkt.« Darauf warf er die Brocken weit weg und fühlte sich viel leichter.


Menschlichkeit – eine Frage der Herzensbildung und des Gewissens

Das oben geschilderte Beispiel lässt erahnen, was es für einen Menschen bedeuten kann, wenn jemand die ganze Not eines anderen mit seinen Augen, seinen Ohren und seinem Herzen zu verstehen versucht, sich von seinem Gewissen leiten lässt und hilfreich verhält.


Mitmenschliche Verbundenheit und seelische Gesundheit

Verschiedene Wissenschaften sind zum übereinstimmenden Forschungsergebnis gekommen, dass Menschen auf zwischenmenschliche Beziehungen und Kooperation – und nicht in erster Linie auf Konkurrenz und Egoismus – ausgerichtet sind.


So sind die Fähigkeit, sich mit anderen Menschen innerlich verbinden zu können und das Gefühl der Gewissheit, sich in einer Notsituation an jemanden wenden und um Hilfe bitten zu können, Voraussetzung für stabile, unterstützende, herzliche und respektvolle Beziehungen zu geliebten Menschen als zentraler Quelle für ein gutes Selbstwertgefühl, für unsere seelische Gesundheit, für die Verarbeitung von Krisen, Krankheiten und Verlusten.


Allein schon das Sich-aussprechen-können in einer Vertrauensbeziehung kann ein Gefühl der Erleichterung bewirken und anstelle von Einsamkeit ein Gefühl der Zusammengehörigkeit entstehen lassen.


Jeder Mensch hat also vieles in der Hand, um sein mit- menschliches Potenzial und seine Fähigkeiten zur Entfaltung zu bringen: Durch mehr Bewusstsein füreinander, durch das Sich-füreinander-interessieren, Sich-miteinander-befreunden und Sich-gemeinsam-für- eine-gute-Sache-einsetzen. – Gibt es etwas Schöneres als die Einladung, sich in irgend einer Weise für das Gemeinwohl verantwortlich zu fühlen und mitzuhelfen, den Lauf der Dinge zu verbessern?


Mit Humor: Es darf gelacht werden

Manchmal braucht es zum Selbstschutz ein dickes Fell, oder, wie Erich Kästner (1899–1974) sagte, «Humor als Regenschirm der Weisen».


Joachim Ringelnatz (1883-1949) verglich den Humor mit einem «Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt».


Ja, es stimmt tatsächlich: Lachen ist gesund! Es tut gut, nicht alles so tierisch ernst zu nehmen. Das Leben vermag durchaus einen Witz vertragen!


Humor verschafft eine Distanz und kann eine Situation entschärfen, zu Erleichterung und Gelassenheit beitragen.


Für mich ist der schönste Humor der, welcher die Realität aus einer anderen Optik so zeigt, dass sie uns belustigt; der eine andere Sicht auf die Dinge möglich macht. Durch Perspektivenwechsel gelingt ein heiteres und gelassenes Darüberstehen.


Es gibt viele Studien, die belegen, dass die Psyche einen grossen Einfluss auf unser körperliches Wohlbefinden hat und umgekehrt.


Die mentale (geistige) Einstellung und unsere Haltung dem Leben gegenüber sind von grosser Bedeutung. Sie haben einen Einfluss auf unser Glück, unser Wohlbefinden und unsere Lebensqualität. Sie helfen, berufliche Vorhaben und persönliche Wünsche zu verwirklichen.


Es ist etwas Wunderbares, wenn ein Mensch am Ende seines Lebens von sich sagen kann, dass er trotz Schicksalsschlägen, die ihn immer wieder zurückgeworfen haben, ein fröhlicher Mensch geblieben ist, und wenn Menschen trotz prekärer materieller Verhältnisse den Lebensmut, die Lebensfreude, den Stolz und die Würde nicht verlieren! Es ist zu hoffen und zu wünschen, dass jeder einen sicheren Weg in eine gute Zukunft findet.


Wenn Kunst heilen hilft

Der Clown, der grosse Lebenskünstler und Meister seines Fachs, macht Mut. Er versteht es, das Publikum in eine andere Welt zu entführen; in eine Welt, in der es seine Sorgen vergisst und schmunzeln oder gar lachen kann – sogar dann noch, wenn der Clown – so ungeschickt und tolpatschig, wie er sich anstellt – an den einfachsten Aufgaben scheitert – und dennoch nie aufgibt.


Der Arlecchino oder Bajazzo hat die typischen Clown-Attitüden: er lebt im Moment, vergisst die Vergangenheit und denkt nicht an die Zukunft.


Die Psychologie ist auch eine Kunst. Gemäss Alfred Adler ist die Psychologie nichts weniger als die Krone der Humanwissenschaften. Mit ihrer Hilfe kann es gelingen, seinen individuellen Weg zu finden – in einer Welt, in der es auch Niederlagen gibt, in der auch andere gleichwertig und gleichberechtigt leben, in der man nicht nur nehmen kann, ohne zu geben, in der man mitarbeitet, mitleidet und mitliebt.


Das nährt die Seele:

  • Einer Herausforderung begegnen, die zu bewältigen ist.
  • Ein Gefühl von Sicherheit empfinden im Hinblick auf mich und dich.
  • Vorwärts kommen auf dem Weg, der bewusst gewählt wurde oder auch nicht.
  • Freude erleben und Freude bereiten
  • Musik vermag uns in tiefster Seele zu berühren.
  • Dankbar sein. Dankbare Menschen sind gesünder, stressresistenter und leistungsfähiger. Zugleich sind sie zufriedener mit ihrem Leben und ihren sozialen Beziehungen.


Das trocknet die Seele aus:

  • Alles Unglück auf sich selbst beziehen.
  • Der Seele keinen Ausdruck gestatten.
  • Auf die Möglichkeit verzichten, guten Mutes das Schwierige anzugehen.




© Foto „Kleiner Fuchs“: D. Hadorn

Du siehst Dinge, und du sagst „warum?“. Aber ich träume von Dingen, die es nie gegeben hat, und ich sage „warum nicht?“.


G.B. Shaw

Wenn ich das Wort Menschlichkeit höre, ist‘s mir immer, als sollte man einen Edelstein aus dem Staube aufheben. (..)


Albert Schweitzer

Wir neigen dazu, Erfolg eher nach der Höhe unserer Gehälter oder nach der Grösse unserer Autos zu bestimmen, als nach dem Grad unserer Hilfsbereitschaft und dem Mass unserer Menschlichkeit.


Martin Luther King

© Foto „Ringelblumen“:

M. Herlitschka

Ein Mann misst täglich, stündlich seinen Puls aus lauter Angst, er könnt‘ an Herzversagen sterben.

»Bin ich zum Tode verurteilt?« frägt er bange seinen Arzt nach dem zehnten EKG, das ebenso normal ausfällt, wie die vorherigen auch.

»Nein«, antwortet der Arzt, »mein Freund, ich fürchte, du bist zum Leben verurteilt. Zum Leben und Altwerden.« Erleichtert seufzt der Patient.

»Aber sage mir«, fährt der Arzt mit ernster Miene fort, »wenn ich recht habe, was machst du dann mit dem langen Rest deines Lebens? Pulsmessen?«


Elisabeth Lukas/Otmar Wiesmeyr

Man muss sich durch die kleinen Gedanken, die einen ärgern, immer wieder hindurchfinden zu den grossen Gedanken, die einen stärken.


Dietrich Bonhoeffer

Sozialpolitik ist der verzweifelte Entschluss, an einem Krebskranken eine Hühneraugenoperation vorzunehmen.


Karl Kraus (1874–1936)

Wenn die Sonne scheint,

verteilen die Banken Regenschirme,

und wenn es regnet, ziehen sie sie wieder ein.


L. F.

© Foto „Clown Pello“

Wer anderen etwas vorgedacht,

wird jahrelang erst ausgelacht. Begreift man die Entdeckung endlich,

so nennt sie jeder selbstverständlich.


Wilhelm Busch

Dein ganzes Leben

ist ein Kunstwerk ...

und Du bist der Künstler,

der täglich neu

die Formen wählt ...,

die Farben mischt ...

Lichtpunkte setzt ...

im Hell und Dunkel,

im Spiel mit

Schatten und Licht!

Gestalte es bunt ...

Dein Leben ...

und lass es voll Liebe sein!

Elisabeth Frey Hartmann, Brunnenwisstr. 17, 8115 Hüttikon, Tel. +41 044 884 67 51, e-mail: info@psychotherapie-frey.ch